Wie im vorherigen Bericht ueber unsere letzten Wochen in Australien bereits angefangen, werde ich nun auch in Asien vermehrt in die persoenlichen Reiseerfahrungen eine Top- und Flopliste einbauen. Dies bringt dem Leser den Vorteil, dass Reisen in diese Laender vorher besser geplant und fern von Reisefuehrern aus einer rein subjektiven, aber freundschaftlich, objektiven Sichtweise gelesen werden kann. Mir als Schreiber hingegen bietet es darueber hinaus die Moeglichkeit, die Erfahrungen noch besser zu reflektieren und den Reisebericht chronologisch aufzubauen, ohne dabei wichtige Etappen zu vergessen, oder mich zu viel im Detail zu verlieren.
Am 6. November 2011 haben wir Melbourne gen Hanoi, Vietnam, nun endgueltig verlassen und konnten uns auf unserem 17 Std. Flug ueber Shanghai bereits ein wenig einstimmen. Denn 98,7% aller Flugzeuginsassen waren asiatischer Abstimmung. Nicht schlimm aber mit einmal auch ganz schoen befremdlich. Sind wir als „Langnasen“ von nun an die Exoten. Ein Zustand an den man sich auch erstmal gewoehnen muss. Auch sind Asiaten nicht gleich Asiaten, obwohl sie auf dem asiatischen Kontinent wohnen. Vorab eine kurze Erlaeuterung als Erklaerung fuer meine kommenden Aeusserungen. Der Tuerke hat z.B. ganz andere Verhaltensweisen als der Deutsche. Wie benimmt man sich in der Oeffentlichkeit, auch im Bezug auf Hygiene bestehen kulturell ebenso wie geografisch ganz enorme Unterschiede. Diese Liste kann man endlos weiterfuehren aber sie soll nur zum Ausdruck bringen, dass die Asiaten eben nicht ueberall Meister im kopieren sind, genauso wenig wie die Europaer nicht ueberall mit den deutschen Tugenden beschrieben werden koennen.
In Shanghai, unserem dreistuendigen Zwischenstopp, erlebten wir die ersten gravierenden Unterschiede. Wenn z.B. in Deutschland ein Mann ein Nasenloch zu haelt und kraeftig durch das andere ausatmet, um dies vom „Rotz“ zu befreien, so passiert das meistens bei Freiluftballsportarten. Nicht aber in den von uns bisher bereisten Laendern. Wir erlebten dies das erste Mal auf dem Flughafen in Shanghai, inmitten von Sitzreihen der wartenden Passagiere entledigte sich ein „Asiate“ eines scheinbar unangenehmen „Popels“ in bester Fussballermanier. Auch ist dies in Vietnam auf der Strasse eine oft gesehen Geste und bringt keinem ausser uns ein Ekel ins Gesicht.
Nach unserer Ankunft in Vietnam erwarteten uns mit Tony und Robin zwei Freunde aus Chemnitz, welche mit Stephan und mir die kommenden 2 Wochen zusammen reisen sollten. Das man jmd. am Flughafen hat, der einen direkt ins Hotel faehrt ist in Laendern wie diesen ein richtiger Seegen. Erwarten einen doch immer heuschreckenartig gefuehlte 200 Maenner die in Manier eines Boersianers ihr Hotel, Taxi und weiss der Geier was noch wild durcheinander schreiend anbieten. Jeder macht einen besonderen Preis und diesen „nur“ fuer dich. Das ist jedesmal wenn man irgendwo ankommt der Fall, egal ob das am Flughafen, Bahnhof oder der Bushaltestelle ist. Meist uebermuedet und „geschlaucht“ von der Reise ist es schwer auch ein zehntes Mal innerhalb von 20 Sekunden ein freundliches „No thank you“ oder „please wait“ ueber die Lippen zu bringen. Jedoch sollte man sich dabei immer bewusst sein, dass gerade diese Menschen mehr als nur abhaengig davon sind „Kundschaft“ zu bekommen und daher keinen anderen Weg sehen/kennen als diese aggressive Produktpolitik. Als Tipp sei hier genannt, dass es sich anbietet vorher ein Hotel zu reservieren oder zumindest zu wissen wo man hin moechte. Somit muss man sich lediglich ein Taxi bzw. „Tuk Tuk“ organisieren und den Preis verhandeln.
Zurueck zu Hanoi. Die ersten beide Tage verbrachten wir nun in Vietnams Hauptstadt und waren voellig ueberrollt vom alltaeglichen Leben da. Smog, Laerm, Geruesche, Mopeds, Hupen, Haendler an jeder Ecke und viel Dreck bestimmen die Sinne des Betrachters. Es geht da zu wie in einem Ameisenhaufen. Jeder hat was zu tun aber so richtig produktiv scheint das nicht zu sein. Am ersten Tag liefen wir einfach nur durch die vielen kleinen Strassen, bestaunten mehrfach das Chaos der elektischen Oberleitungen und entschieden uns nach zaehen Verhandlungen mit der Reiseverkaufsfrau fuer eine dreitaegige Tour durch Halong Bay, welche 150km noerdlich von Hanoi gelegen ist und kommen damit zum ersten Flop dieses Artikels und unserer Asienreise.
Halong Bay ist wirklich wunderschoen und ich wuerde behaupten das jeder Blick ein Foto wert ist. Gruen bewachsene Berge, welchen den Betrachter teilweise an die Spitzen der mexikanischen Huete erinnern, treffen auf das Wasser des Golf von Tonkin. Mehr als 2000 dieser inselartigen, fast schon majestaetich wirkenden Felsen praegen die Landschaft von Halong Bay. Ein „wow“ kam uns schon immer mal wieder ueber die Lippen. Wer schon mal den Sueden von Thailand bereist hat, der weiss ungefaher von was ich spreche, denn Halong Bay ist der grosse Bruder aller dieser Buchten. Trotz aller Schoenheit bleibt uns dieser dreitaegige Besuch nicht so schoen in Erinnerung wie es klingen mag. Denn drei Tage wurden wir von „Highlight“ zu „Highlight“ gejagt und bekamen ueberall eine Zeit vorgegeben wann wir wieder auf dem Boot sein sollten. Ob beim Rundgang durch Hoehlen, Kajakfahrten, Inselerkundungen oder gar Esssen, jedes Mal sass uns die tickende Uhr unseres Reiseleiters im Nacken. Nach all den „freien“ Entdeckungen in Australien war das speziell fuer Stephan und mich ein Schock der uns lange im Gedaechtnis bleibt. Das wir richtig Glueck hatten mit unseren Reisepartnern aus Holland, Norwegen und Frankreich sei an dieser Stelle noch schnell erwaehnt. Tony war als Entertainer in seinem Element und die anderen kannten den Weg zur Bar recht genau. Als Fazit zu dieser Etappe wuerde ich sagen, Halong Bay ja, aber „NIE“ wieder mit einer gefuehrten Tour. Wenn man sich ein wenig Zeit nimmt und das ganze selbst plant und sich selbst ein Boot ohne Reiseleiter organisiert, dann kann man das alles viel besser geniessen.
Zurueck von Halong Bay verbrachten wir erneut einen Tag in Hanoi, bevor es mit dem Nachtbus nach Hue (spricht man Hway aus) ging. Zehn Stunden Fahrt in einem Bus sind wahrlich kein Zuckerschlecken. Auch das es ein „Schlafbus“ war, machte es nicht unbedingt besser, aber wir sind jung und lieben das Abenteuer. In Hue angekommen erwartete uns schon die Schaar von schreienden Schleppern und das war nach einer Nacht im Bus gleich der richtige Wachmacher. Wir checkten in einem kleinen Hotel ein und mieteten uns Mopeds, denn auf keinen Fall wieder irgendeine gefuehrte Tour, da waren wir uns alle einig.
Hue ist ganz sicher zu empfehlen. Besichtigen kann man hier Tempel, Pagoden sowie einen Kaiserpalast. Auch mit dem Wissen einen Ort zu besuchen, welcher seit 1993 zum UNESCO Weltkulturerbe gehoert macht es lohnenswert. Jedoch sollten dafuer nicht mehr als 2 Naechte/ Tage eingeplant werden.
Am naechsten Morgen hiess es fuer uns dann schon wieder Rucksack packen und erneut Busfahren. Hoi An, unser persoenliches Highlight von Vietnam, sollte Ziel der naechsten Etappe werden. Die Fahrt war angenehm und zeigte uns Abseits grosser Staedte das „urspruengliche“ Vietnam. Zudem fuehrte uns die Fahrt ueber den „Wolkenpass“ , welchen wir in Alpenmanier bezwangen.
In Hoi An angekommen buchten wir uns in einem super schicken Hotel (Sunflower) ein, welches dazu noch echt billig war. Vorab sollte man wissen, dass Hoi An oft nicht zu erreichen ist, da Strassen durch Ueberschwemmungen gesperrt sind. Wir jedoch hatten Glueck und konnten die Schoenheit und den Charme dieser kleinen Stadt erkunden. Leider waren wir hier viel zu kurz. 3 Tage sollte man hier bleiben um die alten Gassen, das bunte Marktleben sowie die Straende zumindest so zu geniessen das man sich nicht wie auf der Flucht fuehlt. Darueberhinaus ist Hoi An beruehmt fuer seine Schneiderkuenste und vietnamesische Handwerkskunst.
Nach 36 Std. war unser Besuch leider schon wieder beendet und wir fuhren mit dem Nachtzug nach Nha Trang. Der Zug war zwar US$10 teurer als der Bus, aber auf ein weiteres Erlebnis wahnsinniger Enge hatten wir alle keine Lust. So buchten wir ein Schlafabteil und ich muss sagen, dass es mehr als nur 10x besser war als mit dem Schlafbus. Dies ist auch als Tipp zu hinterlegen. Wenn man nicht jeden Dollar 2x drehen muss, dann wuerde ich den Zug immer vor dem Bus waehlen. Denn dieser ist schneller und man viel mehr Moeglichkeiten sich mal zu strecken und einen Meter zu laufen.
In Nha Trang angekommen checkten wir im Greenpeace Hotel ein. Auch dies ist ein richtig tolles, sowie super modernes Hotel welches vom Backpackerbudegt locker zu zahlen ist. Jedoch ist Nha Trang in der Kategorie Flop zu finden. Denn dieser Ort ist das Palma von Vietnam. Viel Party, keine, bis wenig Kultur und zudem auch sehr teuer. Der Tip der sich aus unserer Erfahrung ableiten laesst ist, dass man dahin fahren kann oder sogar sollte um die oertlichen „Easy Rider“ zu treffen. Diese Gruppe sehr erfahrener Guides fahren einen fuer einen vernueftigen Preis mit ihren Motorraedern bis zum Ende der Welt wenn man das unbedingt will. Das ist laut Berichten von Menschen welche wir unterwegs getroffen haben ein „Muss“. Auch wir hatten dies urspruenglich auf dem Zettel, aber auch im Urlaub ist es wie in der Schule, meistens waren wir sehr unvorbereitet und haben uns dann irgendwie durchgemogelt. So kam es, dass wir Nha Trang mit dem Bus gen Dalat verliessen und uns schon nach wenigen Kilometern aergerten das nicht mit den „Rockern“ getan zu haben. Der Weg in diese Bergstadt war gepflastert mit wunderschoenen Doerfern, satt gruenen Schluchten und Wasserfaellen. Wenn man sich Vietnams Urwaelder im Kopf ausmalt, dann bekommt man da das Original zu sehen. Die hollaendischen Reisefreunde buchten die Jungs fuer 3 Tage und waren voellig begeistert. Die „Rocker“ halten an wenn der Sozius das moechte oder wenn sie einen Geheimtipp aus der Tasche ziehen und davon gab es laut der Maedels eine Menge. Man schlaeft in Hotels, bei Einheimischen oder Budgetunterkuenften, jeder wie er es gern mag.
In Dalat angekommen checkten wir im besten Hotel am Platz ein, fuer US$14/Person und erkundeten am Abend bei der Suche nach etwas Essbaren die Stadt. Dieser Ort ist umringt von Bergen und ist daher etwas kuehler als der Rest des Landes. Wer auf ruhige Stunden steht und sich fuer 2 Tage der Welt entsagen moechte, der ist in Dalat herzlich willkommen. Jedoch sollte man da keine Bergidylle erwarten, sondern viel mehr Abwechslung von der Kuestelandschaft des bisher gesehenen.
Am naechsten Tag ging es dann mit dem Bus schon wieder weiter in den naechsten Ort. Das Ziel unserer vorletzten Etappe in Vietnam war Ho Chi Minh oder auch Saigon genannt.
Nach einer erneuten knapp 9 stuendigen Tour durch Waelder, Doerfer und sehr holprigen Strassen erlebten wir nach knapp 10 Tagen wieder das illustre Treiben einer Metropole. Tony’s Kommentar war „ich wette die Strassenverkehrsordnung besteht aus einem weissem Blatt Papier“. Wer das schon Mal erlebt hat, der kann dieser Aussage nur beipflichten. Worte koennen das Chaos nicht beschreiben. Hinzu kam noch, dass Vietnam an diesem Tag irgendeinen suedostasiatischen Fussballcup gewonnen hat. Man stelle sich vor, Deutschland gewinnt die WM und 2 Millionen Menschen fahren gleichzeitig mit dem Moped um die Siegessaeule. So und teilweise noch chaotischer sind die Strassenverhaeltnisse in Vietnams Grossstaedten zu beschreiben.
Am naechsten Morgen verliessen wir Ho Chi Minh etwas gestresst gen Chau Doc. Dies ist der letzte Ort vor der Grenze zu Kambodscha.
Sicher haetten wir dieses Land auch intensiver bereisen koennen wenn wir besser vorbereitet gewesen waeren und sicher denken sich einige beim Lesen das diese Reise vom Norden in den Sueden purer Stress war. Das war es aber wirklich nicht. Wir vier hatten eine wirklich schoene Zeit in Vietnam und haben uns damit einen Traum erfuellt dieses Land einmal zu bereisen. Sicher ist, dass wir Vietnam genossen haben, aber bestimmt nicht wieder hier her kommen werden. Dafuer bieten Nachbarlaender doch so viel mehr an Natur und so viel mehr Kultur. Wer dennoch neugierig darauf ist, der sollte sich von meiner Einschaetzung nicht abschrecken lassen und die im Folgenden grob aufgefuehrte Reiseroute fuer ca. 18 Tage einschlagen.
Flug nach Hanoi: Hanoi nach Halong Bay (unbedingt auf eigene Faust organisieren!!!!) und nach 2 Tagen weiter nach Sapa (Bergregion zum wandern und entdecken im Norden von Vietnam). Nach 2 Tagen Sapa zurueck nach Hanoi oder fuer die Harten gleich direkt durch nach Hue. Da wuerde ich 2 Tage bleiben und die oertlichen Sehenswuerdigkeiten via Moped selbst entdecken. In Hue muss auch geschaut werden, ob der Weg ins schoene Hoi An befahrbar ist. Wenn dies moeglich ist, dann mindestens 2 Naechte in Hoi An einplanen. Von Hoi An nach Nha Trang mit fahren und sich da von den oertlichen „Easy Ridern“ finden lassen. Eine Nacht kann man in Nha Tran bleiben um sich auf die Tour nach Dalat vorbereiten. Wenn man zeitig am Morgen ankommmt, kann man sich auch da Mopeds ausleihen und ein wenig an der schoenen Kuestenstrasse entlang fahren oder baden gehen. Nach 3 Tagen auf dem Motorrad bietet Dalat eine gute Moeglichkeit mal abzuschalten, aber mehr als 2 Tage wuerde ich nicht empfehlen. Die letzten 2 Tage in Ho Chi Minh zum shoppen nutzen und dann ab zurueck nach Hause.
Bis bald und schoene vorweihnachtliche Gruesse von Stephan und mir!!!
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