Thursday, April 28, 2011

Endstation Emerald

So jetzt wird es aber wieder mal höchste Zeit euch auf den neuesten Stand zu bringen.

Hallo lieber Leserinnen und Leser, ich freu mich sehr euch hier mit einem 'Thanks Mate' begrüßen zu dürfen. Das höre ich seit den letzten 5 Tagen mindestens 50x in der Küche. Aber erstmal von vorn:

An besagtem Montag, in meinem letzten Post, haben wir auch tatsächlich unser Geld bekommen. Und dann auch noch 10$ mehr, weil unsere Supervisorin höchstwahrscheinlich nicht so wirklich gut rechnen kann. Vielleicht wollte sie uns aber auch einen Gefallen tun weil wir so lang darauf gewartet haben. Nobody knows. Wir waren auf jeden Fall sehr zufrieden es endlich in den Händen halten zu dürfen und sind auch prompt am gleichen Tag noch los gefahren Richtung Gayndah. Zu unserem Erstaunen allerdings nur zu Zweit. Janos hatte sich entschlossen mit einer Kanadierin Richtung Cairns weiter zu ziehen.

Ronny und ich fuhren die 270km in einem Ritt und waren gegen 21Uhr in Gayndah. Völlig erschöpft schliefen wir die erste Nacht direkt vorm Freibad. Am kommenden Tag begann wie immer die Arbeitssuche. Wir klapperten ein paar Sachen ab, die wir des nächtens gesehen hatten und fanden uns letztendlich im Büro des Harvestservice wieder. Bereits am kommenden Tag konnten wir anfangen. Hm...auch nicht schlecht, dachte ich mir. Wir kamen pünktlich zu Farm (jap...ich kann pünktlich sein ;)) und erhielten die kurze Einweisung wie man den am besten Mandarinen erntet. Dabei gibts eigentlich nicht viel was man beachten muss, wenn man schon einmal in einem Garten ein paar Früchte abgenommen hat. Nur das der Garten eben dort ca. 100x grösser ist. Das ernten funktioniert mit einer kleinen Schere. Du schneidest direkt über dem Strunk ab, denn ansonsten fault die Mandarine bei der nachfolgenden Behandlung mit diversen Chemiekalien. Apropos Chemiekalien. Ronny und ich sahen im übrigen keine einzige Spinne auf unser ersten Farm, auch keine Ameise und überhaupt auch sonst kein einziges Insekt. Ich glaube ihr wisst was das im einzelnen heisst. Naja...Bio jedenfalls nicht. Zurück zum ernten. Außer der Schere bekommst du noch einen Umhängebeutel, der für vielleicht 10-15kg reicht. Diesen leerst du in einem Bin, welcher vielleicht 500kg fasst aus. Für einen solchen Bin bekommst du dann 90$. Klingt gut dachten wir uns. Da schaffen wir bestimmt 1,5 Bins am Tag, oder wenigstens einen. Aber: erstens kommt es anders und zweitens...genau. Wir schafften gerade mal einen halben Bin. Auch in den nachfolgenden Tagen schafften wir nur die gleiche Menge. Wir wurden nicht schneller und das bedeutete für uns: Farmwechsel. Vielleicht klappts ja auf der nächsten Farm besser.

Und das war dann das, was ich mir unter einer Farm, wenn ich Farm höre, auch vorstelle. Winstons Farm besaß alles. Er hatte 3 Hunde, 1. Buff...Wachhund...viel bellen wenn man auf den Hof fährt, aber dann ruckzuck ruhig sein wenn man merkt, dass man gekrault wird. 2. Ich habe leider seinen Namen am Anfang nicht richtig verstanden und deshalb nannten Ronny und ich ihn nur 'den alten Mann'. Er war wie der Name unlängst erkennen lässt alt, hatte dafür aber noch so viel auf dem Kasten, dass keine einzige Schlange auf der Farm war. Er biss ihnen, solbald er sie entdeckte, den Kopf ab. Nicht schlecht! Und Nummer 3 hieß LJ. Jung und absolut, tut mir Leid ich kann es wirklich nicht anders formulieren weil es einfach den Nagel auf den Kopf trifft, geil auf das wiederbringen von Stöckchen. Sensationell...der absolut sportlichste Hund der mir bis jetzt über den Weg gelaufen ist. Den hab ich schöne in der Botanik hin und her laufen lassen. Was für ein Spaß. Desweitern besaß Winston noch 2 Kühe, die eine lief genau wie seine diversen Pferde, direkt zwischen den Mandarinen- und Orangenbäumen umher. Hieß natürlich für uns immer schön aufpassen wo man gerade seinen Fuß hin setzt. besonders wenn man nur FlipFlops trägt. Im Stall suhlten sich noch 2 Schweine und diverse Hühner komplettierten die Tierwelt. So dachten wir uns konnte mit neuem Elan ans ernten heran gegangen werden und ein Bin nach dem anderen befüllt werden.
Haha...Satz mit X. Auch bei Winston sprang nur ein halber Bin für uns beide pro Tag heraus. Einziger Lichtblick war dabei erstens, es gab 100$ pro Bin und zweitens, wir mussten nicht mehr lang warten, um die Orangen zu ernten. Die sind größer und wir dachten der Bin füllt sich schneller. An dieser Stelle muss ich leider nochmal zurückkommen zur Chemiekaliengeschichte der ersten Farm. Im Gegensatz zu dieser verzichtete Winston weitestgehend auf alles. Wir sahen auch sofort am ersten Tag was es heißt, wenn auf Chemie verzichtet wird. Grosse Netze! Und nicht einfach nur irgendwelche Radnetze, nein nein nein...ich spreche hier von den richtig schönen dicken, fetten, klebrigen, quer durch den Baum gespannten Netzen. Wir wussten das solch ein Netz nur etwas naja, sagen wir mal größeres bauen kann. Nach 3 Tagen des nur von weitem sehens, war es dann soweit. Ronny stand auf einmal neben meiner Leiter. Er begann mit: Hm...es ist passiert, gerade eben. Ich geb mal die Kurzfassung wieder. Mandarinen anfassen, versuchen zu schneiden, realisieren das irgendetwas mit Gewicht (!) auf der Hand ist, Auge entdeckt großen Handsman, alles fallen lassen, halb von der Leiter fallen, währenddessen das Ding versucht Richtung Schulter zu laufen. Irgendwie hat er es dann doch abgeschüttelt auf dem Weg nach unten. Zum Glück!
Von da an ging bei Ihm natürlich das Ernten etwas langsamer. Verständlicherweise. Ich hab mich erstmal nicht beeindrucken lassen und hab munter weiter im Baum gewütet. Aber ich wusste auch, das nicht die Frage ob, sondern nur die Frage wann ich ein ähnliches Erlebnis haben würde, existierte. Am nächsten Tag sollte es dann auch schon soweit sein. Ich schnitt, warf die Mandarine in den Beutel, will gerade nach der nächsten greifen, ziehe den Ast noch ein Stück näher heran, um wirklich gut ran zu kommen, greife zu und plötzlich bewegt sich was auf dem Ast direkt neben der Mandarine. Ich entdeckte das 8.beinige Etwas, groß, ähnllich bestimmt wie Ronny's, und ließ ebenfalls sofort alles los. Der Ast schnappte zurück, schoss womöglich die Spinne in das nächste Grundstück und ich stieg mit leicht höherem Adrenalienspiegel von der Leiter. Danach war auch bei mir der Ofen aus. Schnell ernten kam von da an nicht mehr in Frage.
Wir schleppten uns noch einen Tag dahin und konnten danach endlich mit den Orangen beginnen. Da waren keine, oder zumndist nur wenige, Spinnen darin. Dafür haben Orangenbäume imens große Dornen, welche dich aussehen lassen, als wärst du ein 14 jähriges pubertierendes Mädchen, was sich in der Schule mit dem Zirkel gern mal selbst die Arme verschönert. Alles hat einen kleinen Haken ;). Nun ja...der 11.4. kam, ich arbeitete und sendete Geburtstagsgrüße auf's Meer. Der 14.4. kam, ich arbeitete erneut. An dieser Stelle möchte ich mich bei all denen bedanken die mich an meinem Geburtstag beglückwünscht haben, besonders meiner Familie. Nun ja...und nach dem guten Bundaberg-Cola und einer kurzen Pro & Contra Diskussion der Arbeit bzw. des Verdienstes haben Ronny und ich kurzer Hand den Entschluss gefasst weiter Richtung Norden zu ziehen, um dort nach einem Job zu suchen. Insgesamt haben wir auf der Farm von Winston nur was ueber 300$ verdient...ist nicht gerade viel und zum sparen kommt man dabei nicht wirklich.

Also direkt mal Richtung Fraser Island fahren und schauen, ob dort ein Job wartet, oder ein kurzer Abstecher auf die Insel drin ist. Das erste Mal wieder in den Ozean zu springen war nach dem Inlandsausflug echt der Wahnsinn! Allerdings hat das Augen und Ohren offen halten nicht so wirklich was gebracht in Bezug auf Arbeit. Zu allem Uebel kuendigte sich auch noch Regen in den folgenden Tagen an. Ein Abstecher auf Fraser war demzufolge auch erstmal auf Eis gelegt. Also ging es noch einmal nach Tin Can Bay, um am naechsten Tag Delphine zu sehen und dann zogen wir weiter nach Hervey Bay. Sehr schoene kleine Stadt mit einem Watt, was zwar nicht der Nordsee gleich kommt, aber immerhin verschwindet das Meer dort auch seine 100-150m (vielleicht mehr). Der Regen machte uns allerdings das Leben dort ein bisschen schwer, also gab's nur die Devise: Weiterfahren. Von Hervey Bay nach Elliot Heads und dann weiter nach Gladstone.
Auf dem zweiten Abschnitt passierte es erneut. Umweg zwecks Hochwasser. Wahnsinn! Dabei hatte es nur eine Nacht geregnet. Es ist wirklich erstaunlich, wie hier alles ausgesprochen gut und sauber aussieht, aber wenn der Regen noch einmal kommen sollte und es ein bis zwei Tag am Stueck schuettet, dann befuerchte ich ein aehnliches Szenario wie im Januar. Die Fauna ist echt noch ein ganzes Stueck entfernt von 'erholt'.
Angekommen in Gladstone, einer Stadt in der es nur so von Industrie wimmelt, wollten wir unser bestes geben um uns einen Job zu angeln. Wenn ich jetzt sage das "RussChams" von Australien, waere es wahrscheinlich eine Spur zu extrem, aber genau so muesst ihr euch das vorstellen. Ein riesiges Aluminium Werk auf der einen Seite und an zwei anderen Seiten erwarten dich Kohlefabriken. Wir zogen also durch die Strassen, gaben unserer Lebenslaeufe bei allen Arbeitsvermittlungen ab, hatten aber keine die auf Anhieb sagen konnte: Ja! Ich hab da was fuer euch. Hm...ich befuerchtete, dass uns das auch nicht richtig weiter helfen wuerde. Ein Ass hatte ich allerdings noch im Aermel. Beim letzten Internetbesuch, hatte ich auf Gumtree eine Nummer von einem gewissen Thomas gefunden, der eine Mitfahrgelegenheit nach Emerald brauchte. Da hatte er einen guten und pro Stunde bezahlten Job in Aussicht.

Und siehe da, Treffer! Er arbeitete zwar nicht mehr auf der Farm, dafuer aber in einem Irish Pub. Die bezahlten auch pro Stunde und suchen noch jede Menge Leute. Voller Vorfreude duesten wir also am naechsten Tag ueber Rockhampton nach Emerald. In 'Rocky', wie es der Aussie's nennen sieht man uebrigens auch keine Spuren mehr von der Ueberflutung im Januar. Alles wieder schick, nur das kleine Schild an der Visitor Information (Beware of snakes due to the flood) lies mir kurz einen kleinen Schauer ueber den Ruecken laufen. Ja...da war ja was gewesen und da sind ja auch diverse Tiere davon betroffen gewesen. Also Augen auf! Wir kauften das noetigste fuer unseren kleinen Inlands-VorOutback-Trip und duesten los. Die kurze Strecke von 263km. Mal eben nach Berlin. Mit durchschnittlich 80km/h und 30grad...schoen. Mit dem letzten Tropfen Diesel kamen wir an. In Blackwater naemlich, 80km vor Emerald, gab es keinen Diesel mehr. Der ist kurzer Hand mal aus, weil die Lieferung nicht kam. Puh! Auch nicht schlecht, wenn dir das an einer anderen Stelle passiert. Anyway, es ging ja alles gut.
Und mit alles meine ich wirklich alles. Am zweiten Tag unserer Ankunft zogen wir aus, um einen Job an Land zu ziehen. Schon beim zweiten Versuch gelang dies in jenem schon erwaehnten Irish Pub. Sensationell! Es war irgendwie ganz einfach. Wir gingen nur hinein, fragten nach, ob sie denn noch Leute fuer die Bar, zum sauber machen oder was auch immer suchten und schwupps wurde uns mit ja geantwortet und wir fuellten diverse Formulare aus. Unsere kurze Cleaning Einfuehrung bekamen wir gleich hinterher. Uebrigens von jenem besagten Tom, den ich angerufen hatte. Die Arbeitszeiten sind von  6-10 (Cleaning) und danach nochmal fuer mich von 12-16 (Kueche - Tellerwaschen). Ronny muss auch nochmal fuer 4 Tage die Woche zur Abendschicht Tellerwaschen in den Pub, aber ich denke er ist auch zufrieden damit. Wie wuerden einige bei uns daheim beim grossen Getraenkelieferant jetzt sagen: Stunden bringen das Geld ;).
Jetzt ist bereits mehr als eine Woche arbeiten im Pub vergangen, wir haben bereits unseren 1. Payslip bekommen, koennen jeden Tag bei einer Italienerin duschen, kochen und quasi halb wohnen, folglich kann es nicht besser gehen. Es wird zwar hart jeden Tag die naechsten 5 Wochen, aber am Ende werden wir uns freuen es gemacht bzw. den Job gefunden zu haben und koennen zusaetzlich ein langes Stueck Reise finanzieren. Zur Belohnungwinken die Whitsunday Islands. Wenn wir schon nicht auf Fraser sein konnten, dann muessen wir die Whitsunday's sehen.

Zum Schluss geb ich mal noch ein paar kurze Fakten ueber Robert an.
Zu aller erst: Es geht ihm gut. Nicht nur ihm, sondern Romy natuerlich auch. Die beiden fischen immer noch irgendwo im Golf, haben aber bereits 93to gefangen. Nicht schlecht sag ich da. Sie wollen wohl noch ueber 100to kommen und dann irgendwann Anfang/Mitte Juni nach Cairns zurueck fahren. Sie freuen sich mindestens genauso auf das Wiedersehen mit uns wie wir und zaehlen die Tage bis dahin rueckwaerts. Das wird glaub ich noch eine gute NachGeburtstagssause werden.

Vielen Dank an alle Leser die durch gehalten haben. Leider hatten wir eben lange nicht die Moeglichkeit auf gescheites Internet, daher war es bisl viel heute ;)

Bis zum naechsten Mal
Stephan