Ich muss mich als aller erstes fuer mein technisches Ungeschick entschuldigen, kann ich nun doch nicht (wie angekuendigt) Videos auf diesem Blog hochladen. Eigentlich sehr schade, sind doch so einige gute Exemplare dabei. Falls jmd. eine Idee hat, wie man Videos einer breiten Oeffentlichkeit zugaenglich machen kann, ohne dabei Youtube, Myvideo, Clipfish (kann ich trotz erfolgreicher Anmeldung kein Video "uploaden") nutzen zu muessen, dann immer raus mit der Sprache.
So, nun wieder zurueck in den ganz normalen Alltag eines Backpacker in der Stadt.
Nach ueberstandenen Sonnenbrand haben Stephan, Torsten (unser temporaerer Reisegefaehrte) und ich einige Dinge unternommen, um doch irgendwie einen Job in der Stadt zu finden. Es ist alles ziemlich grausam, ohne jedoch das Licht am Ende des Tunnels aus den Augen zu verlieren. Bevor ich nun das zweite Mal ins Land der Kaengeruhs, der roten Erde und der giftigen Tiere reiste, habe ich vielen Interessierten immer das Paradies suggeriert, welches ich 2003/2004 erlebte. Mit eben solchen Vortsellungen sind auch Stephan und ich in den Flieger gestiegen aber ich moechte hiermit gleich all denjenigen, die jemals das gleiche Vorhaben starten wollen "1 Jahr Australien mit Rucksack und zurueck,"die Warnung vor zu viel Blauaeugigkeit schwarz auf weiss hinterlassen. Es ist natuerlich nicht ganz so dramatisch wie wie es klingt, nur ist es so umso schwerer- dies ist aber trotz des erhoehten Grades an Schwierigkeit, eine sehr tolle Erfahrung und ein besonderes Ding fuer den Kopf, "kaempfen fuer das, was man wirklich will und auch zwingend benoetigt. Das ist eben die Kehrseite der Medallie.
Das war ein kurzer Anflug an Lebensweisheiten- sorry aber es lag mir auf dem Herzen.
So, ich hatte ja ueber das Licht am Ende des Tunnel geschrieben und daran moechte ich nun anknuepfen.
Wir (Stephan und ich) hatten am 02.02.2011 unser erstes Vorstellungsgespraech bei einer Arbeitsvermittlung und die waren echt begeistert von uns beiden (wen wundert dies?). Wir sollten noch am gleichen Tag einen Anruf bekommen in welchem wir unter zahlreichen Jobangeboten waehlen sollten. Aber wie das mit der australischen Mentalietaet so ist, bekamen wir den Anruf erst am naechsten Tag und uns wurde ein Job angeboten welcher gut bezahlt wird und fuer 2 Personen absolut perfekt scheinen sollte. Starten sollte dieser Job am Freitag 7Uhr- jedoch an diesem Tag nur fuer eine Person. Noch am gleichen Tag rief uns eine andere Agentur an, ob wir nicht am Freitag 0:30 Uhr auf der Messe ein wenig Teppiche verlegen koennen- "klar warum nicht" sagten wir und hatten auf einmal 2 Jobs. Sollte es jetzt beginnen? Sollte jetzt der erhoffte Reichtum und der damit verbundene Mangel an Zeit eintreten? Um die Spannung nicht ins grenzenlose zu steigern muss ich meine 2 Fragen leider mit NEIN beantworten. Aber alles von vorn.
Wir freuten uns erstmal das wir eine Moeglichkeit aufgetan haben, um Geld zu verdienen und das nicht mal so schlecht - selbst das zeitige Aufstehen und der damit verbundene lange Tag, machte uns als alten "Lichtenauer-Promo-Messe-Experten" gar nichts aus. So gingen wir also in die Halle um selbstklebende, quadratische Teppichflicken auf dem Hallenboden zu verteilen und spaeter Messestaende aufzubauen. In der Zwischenzeit (6:30Uhr) musste ich nach 6 Stunden jedoch bereits die Segel streichen, um puenktlich 7 Uhr bei dem anderen Job zu sein, einer Kurrierfirma im Hafen. Das grosse Glueck war aber, dass diese Firma nur 2,6km von der Messe entfernt lag. Was ich da machen sollte blieb mir bis zur Ankunft aber ein grosses Raetsel. Puenktlich bei der Firma angekommen wurde mir ein vietnamesicher Arbeiter mit dem Namen "Kid" vorgestellt - ich dachte gleich das dies nicht sein richtiger Name ist aber wer kann schon einen vietnamesischen Namen aussprechen, geschweige verstehen?- und mit diesem Typen sollte ich also heute arbeiten (das war mein zweiter Gedanke). Nicht das ich hier falsch verstanden werde, mir macht die Herkunft meiner Mitmenschen rein gar nichts aus, aber ich hatte von Beginn an Zweifel an seiner Arbeitseinstellung und an seinem sehr zweifelhaften Koennen einen Gabelstapler zu bedienen. Bei der Arbeitseinstellung erhielt ich schon nach 5 Minuten recht. Wir (Kid und ich) sollten den Hof aufraeumen und alle Paletten der Groesse nach ordnen und Muell beseitigen. Gabelstapelfahrer Kid schob alles in eine Ecke und sagte zu mir "in 3 Stunden sind wir hier durch". Ich wollte das aber ganz und gar nicht so lassen, war das ja unser Probetag und wir bauen auf diesen Job. Zum Glueck fing es an zu regnen und der Chef (Nick) holte uns rein- dabei sah er das Unheil und teilte Kid mit, dass dies nicht in seinem Sinne ist und das wir das anders machen sollten. Zum Glueck war ich da gerade dabei rostige Gitter zu entsorgen und entging somit dem Anschiss.
Nach kurzem Schauer konnten wir wieder an die Luft und schichteten die Paletten "ordentlich zusammen". Das wurde Kid aber nach einer kurzem Weile zu anstrengend und er schlug vor das mit dem Stapler zu machen, was ich allerdings fuer echt bescheuert hielt- aber ich lies ihm seinen Wunsch und widmete mich wieder den rostigen Gittern. Nach 10min begann es erneut leicht zu regnen und Kid verschwand in seine Pause - hat er doch schon 2 Stunden auf seinem duennen Schultern. Das fetzte dem Nick so gar nicht und erteilte Kid den naechsten Anschiss. ... Die Stunden gingen dann so ins Land - hier und da flogen bereits gestapelte Paletten wieder um und die Stimmung bei unserem vietnamesischen Freund kippte immer mehr als er bemerkte, dass seine prognostizierten 3 Stunden schon laengst ueberschritten sind. Irgendwann, nach einer leeren Gasflasche, einem erneut zusammengebrochenen Palettenstapel und kurzem Nieselregen verabschiedete sich Kid mit den Worten "the job is done" (die Arbeit ist erledigt). Huih dachte ich mir da und war heilfroh das er einfach ging ohne sich von Nick zu verabschieden. Ich machte dann noch bissl hier und da sauber, stapelte die Paletten so hoch es mit der Hand ging und fegte den Hof. ... das Ende vom Lied war, das Nick ziemlich angepisst auf das Verschwinden von Kid reagierte und mich schroff von der Seite anfuhr ich soll das fertig machen und dann auch gehen. Da hab ich erstmal grosse Augen gemacht -OO- und haette "meinem vienamesischen Freund" am liebsten den persoenlichen Vietnamkrieg erklaert (darf man das sagen?) - gefuehlt hatte ich das jedenfalls. ... Nach getaner Arbeit, welche wirklich echt gut war, kamen dann Stephan und Torsten vom Messeaufbau, um mich abzuholen. Ich sprach noch schnell mit Nick und bat ihn ausschliesslisch meine Leistung zu betrachten und das ich nichts fuer den asiatischen Kumpel und sein Chaos im Kopf kann. Das nahm er mir ab und entschuldigte sich sogar fuer Kid und seine Reaaktion mir gegenueber. Des Weiteren wuerde er gerne mit uns arbeiten wenn er denn welche hat. - Er ruft an wenn es soweit ist und schon wieder fing es an stuermisch zu werden. Wir verbrachten die Nacht am Strand in Brighton und konnten vor lauter Sturm/Regen das Auto von 19Uhr bis 9:30Uhr nicht verlassen.
Nach Regen kommt ja bekanntlich Sonnenschein und so war es dann auch. Den Samstag verbrachten wir mit diversen Dingen und goennten uns am Abend einen Karton (4Liter) Rotwein zu einer vernueftigen Partie Skat. Am Ende des Abends war der Karton fast leer und so manchem Reisegefaehrten richtig uebel.
Der Sonntag war dementsprechend traege und bis auf den ungewoehnlichen Zufall, dass wir uberraschend die am Freitag verlegten Teppiche wieder entfernen durften ist nix weiter passiert.
Ausblick: Stephan und ich werden diese Woche noch mit Jobsuche in Melbourne verbringen- falls sich nichts ergibt verschwinden wir auf den Bauernhof und pfluecken uns die Finger wund. Des Weiteren verstehen wir uns weiterhin echt gut und haben bisher ein echt harmonisches Auskommen. Wir lachen viel gemeinsam und hoeren uns mit einem echt tollen Hoerspiel jeden Abend in den Schlaf.
Robert
1,5h Schlaf zwischen Skyscrapern muessen fuer die Nachtschicht reichen
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